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JOSE ALVAREZ BRILL
by TK

Interview mit José Alvarez-Brill (Stern TV, Wolfsheim, Witt/Heppner, De/Vision, No Comment u.v.a.)

Es gibt nicht viele, die in der Liga von José Alvarez-Brill spielen. Nicht erst seit seinen großen Erfolgen mit der Band Wolfsheim gilt er als einer der deutschen Top-Produzenten im Bereich elektronischer Musik. Die graue Eminenz des Alternative Pop. Access Spotlight hatte die Gelegenheit den vielbeschäftigten Musiker, Produzenten und bekennenden Virusholic in seinen heiligen Hallen, den Pleasurepark Studios, zu besuchen.

Spotlight: José, vielen Dank für eine Zeit, Du steckst ja nach Deinem großen Nr.1-Erfolg mit dem neuen Wolfsheim Album "Casting Shadows" schon wieder mitten in neuen Produktionen. Doch lass' uns mal ganz von vorne beginnen: Wann hast Du mit der Musik angefangen und wie kamst Du dazu, vor allem als Produzent zu arbeiten?

José Alvarez-Brill: Angefangen mit der Musik habe ich so in etwa vor 25 Jahren - ich will mich jetzt auch nicht älter machen als ich bin (lacht). Das ging damals über die Gitarre, dann kamen erste Homerecording- Erfahrungen, damals noch mit der Fostex A8 Maschine, ging dann weiter über die B16, über die 24er ADATs bis jetzt zum Pro Tools TDM System. Gleiche Entwicklung bei den Sequenzern, es fing an mit dem Notator C+, das war ein 16 Spur Midi-Sequenzer, ganz alt, ging weiter über den ersten Notator für den Atari und so weiter bis jetzt zum Logic System 6.1.

Ich bin dann ein bisschen abgedriftet, habe ein paar Videos produziert und bin dann zum professionellen Musikmachen gekommen, wobei die ersten Anfänge mit Wolfsheim ja schon 1991 waren.

Spotlight: Wenn Du mit einer Produktion startest, wie kann man sich das vorstellen, was ist das erste Kreative, was Du tust?

José Alvarez-Brill: Wenn ich bei einer Band mit einer Produktion anfange, gibt's ja meistens ein Demo. Das höre ich mir an und ordne erst mal im Kopf die Gesänge für mich durch. Für mich ist der Gesang, bzw. die Stimme immer noch am wichtigsten. Eine Stimme wie die von Peter Heppner ist natürlich auch einzigartig, die zeichnet auch ganz klar für den Erfolg verantwortlich. Aber da ist es eben auch wichtig, wie die Stimme daliegt. Daher gehe ich erst mal in Gedanken für mich durch, ob die Stimmen gut sortiert sind. Ob die Lead Vocals stimmig sind, was der Text macht usw. Ich glaube, viele andere gehen ja erst mal über die Musik. Bei mir ist es erst mal der Gesang. Ja und dann geht das auch schon los, dass man versucht, vom Demo ausgehend, das Playback zu entwirren und zu charakterisieren, was sind eigentlich so die Stärken der Band und dann versucht man auch, die nach vorne zu bringen. Ich halte überhaupt nichts davon, dass man als Produzent eine Band so produziert, dass die sich nachher selbst nicht mehr wiedererkennt. Nachdem man dann alles so für sich etwas entwirrt hat, schaut man mal ein bisschen ins Midi-Setup, was da ist und dann fängt man ganz einfach von unten an, wie ein Haus zu bauen: Ganz einfach mit Drums, Basedrum, Bass, ganz solide, das geht dann so weiter bis als letztes die Stimmen draufkommen und dann gibt es noch einen Feinschliff.

Spotlight: Du hast ja gerade ein weiteres Studio eingerichtet, mit welchem Equipment arbeitest Du?

José Alvarez-Brill: Also im Hauptstudio, in der A, arbeiten wir mit einem Avalon-Pult, 96 Kanäle, analog noch, weil ich einfach den Sound sehr mag. Des weiteren jetzt mit dem Pro Tools 3 System als recording, in dem ich übrigens auch sehr gerne den Virus A als TDM-plugin verwende (lacht). Demnächst werde ich noch auf ASIO-Treiber umstellen, dass ich also dann Motus nehme und auch die Powercore noch dazu laufen lasse. Sehr gerne arbeite ich auch noch mit dem novation - darf ich das sagen? (grinst) - aber noch viel lieber mit dem Virus C, das ist mein absolutes Lieblingsinstrument, also das ist mein absolutes Hauptinstrument im Moment. Naja und dann halt noch so das †bliche, was man eben so braucht... ;-)

Was ich jetzt für meine persönliche Entwicklung am interessantesten finde, ist das kleine System im Studio unten, also zwei 02R's Yamaha Pulte und ein Apple G4 mit Doppelgiga und zwei Motu 2408, zwei Powercore Karten und jetzt kommt demnächst noch mal eine Powercore-Einheit dazu und da finde ich sehr bemerkenswert, dass das an Leistungsfähigkeit den Pro Tools-Systemen in überhaupt nichts mehr nachsteht.

Spotlight: Welche zwei anderen Geräte außer dem Virus C würdest mit auf eine einsame Insel mitnehmen?

José Alvarez-Brill: Meinen Urei Kompressor und meinen Avalon-Mikrofon- Vorverstärker, gut, wenn das Mikrofon dabei ist ;-)

Spotlight: Wo setzt Du den Virus gerne ein?

José Alvarez-Brill: Für alles!!!!

Spotlight: Danke! (Wir lachen)

José Alvarez-Brill: Nee, doch, also das ist wirklich so. Die erste Frage ist ja immer so, was hat denn der Virus da und da drauf, so nach dem Motto, was haben wir für ein Bass-Problem, schauen wir mal, was der Virus dazu sagt. Ja, dann auch gerne für getriggerte Flächen und vermehrt seit dem Virus C auch für Special FX Sounds, die schöne oder komische Atmo's machen, die man nicht überall hat. Seit jeher aber auch als Bass. Also wirklich als universelles Tool. (Lacht) Hey, das ist wirklich so.

Spotlight: Was sind aus Deiner Sicht die jeweiligen Vorteile von TDM und C?

José Alvarez-Brill: Für TDM nehme ich meistens Standardsounds, also z.B. den besagten Bassmann-Sound. Wenn ich genau weiß, da kommt der hin, dann nehme ich den TDM-Virus, weil der einfach wupp aufgeht, mit gespeichert wird und ich muss nicht viel dran drehen. Wenn ich jetzt was drehen muss, oder ich suche Sounds und möchte die noch verändern, nehme ich meistens einen analogen Virus, also einen richtigen reellen Virus. Drehen macht mehr Spaß und man kann auch schneller suchen. Naja und der Virus C hat natürlich auch mehr Sounds, während der TDM-Virus noch ein bisschen limitiert ist. Was natürlich ein Vorteil gegenüber dem C ist: ich kann 6 TDM-Viren aufmachen.

Spotlight: Dein Lieblings-Virus-Feature?

José Alvarez-Brill: Der Lautstärkeregler, nein Quatsch! Also wenn man wirklich von der Anzahl her geht, dreht man ja meistens am Cutoff rum. Da finde ich halt auch den Sound gut. Bei vielen anderen digital basierenden Instrumenten bringt es ja einfach nichts, wenn man an Filtern rumdreht. Aber Lieblings-Virus-Feature Ð tja was soll ich sagen, die Arpeggien sind sehr gut und bei dem C finde ich jetzt auch die Effektmaschine sehr gelungen. Schon sehr geil.

Spotlight: Deine 3 Lieblingspatches und wie setzt Du sie ein?

José Alvarez-Brill: Der Bassmann!!!!! Das ist mein Lieblingspatch! Auch gerade bei der Wolfsheim "Spectators" war das immer so die Lösung, ging es darum einen Bass zu suchen, da war das immer der Sound, der echt Druck gemacht hat, unauffällig war und nicht so rumgeknurzt hat wie andere Bässe. Es gibt ja sehr aufwändig produzierte Bässe, an denen man sich aber letzten Endes auch sehr schnell tot hört. Tja und der Bassmann, der macht mega Druck, der hat sich dann einfach so rauskristallisiert als sehr gute Basswaffe!

Spotlight: Dein Produzenten-Tipp-des-Tages?

José Alvarez-Brill: Was viele Leute falsch machen, die nicht so den richtigen Druck in den Sounds haben, ist, dass sie immer denken, ah das Playback ist zu leer und dann knallen sie immer mehr Sounds rein. Man sollte mehr daran arbeiten, die Sounds, die da sind, so richtig auszuarbeiten, sie zum Klingen zu bringen.

Spotlight: Wie schauen Deine Zukunftspläne aus?

José Alvarez-Brill: Da will ich noch nicht allzu viel verraten, wir müssen aber an der Distribution der Musik arbeiten. Da stockt es im Moment ganz gewaltig. Und da müssen wir als Produzenten selbst was in die Hand nehmen. Des weiteren gibt es viele andere Projekte, im Moment haben wir hier gerade für Lou Bega gearbeitet, was natürlich völlig konträr ist zu Wolfsheim, aber das zeigt mal ein bisschen die Bandbreite. Und im Oktober fange ich dann an, die zweite LP für Juicy Junk zu machen und bis dahin werde ich noch zwei Fernsehsachen machen, das sind jetzt so die konkreten Pläne...

Spotlight: Bist Du bei all dem noch interessiert an Nachwuchskünstlern?

José Alvarez-Brill: Wir von der Produktionsfirma sowie vom Verlag, also Arabella, The Factory sind sehr offen für "Nachwuchskünstler" , vor allen Dingen wenn sie wirklich arbeiten wollen und auch die Bereitschaft haben, echt was zu schaffen und auch ein bisschen "Aushaltewillen" haben. Also: Die können sich gerne an uns wenden: www.pleasurepark-studios.com

 

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